Verfasst von Lukas Bachmann
Währungseffekt: Warum Rendite nicht gleich Rendite ist
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Vorgelesen von einer synthetischen Stimme.
Eine zehnjährige US-Staatsanleihe rentierte im August 2026 rund 4.7 Prozent, eine Bundesobligation der Eidgenossenschaft mit gleicher Laufzeit 0.5 Prozent. Auf den ersten Blick ist das ein klarer Fall. Nur zahlt die US-Anleihe in Dollar, und wer in Franken lebt, muss am Ende zurückwechseln. Seit 2006 hat der Dollar gegenüber dem Franken rund einen Drittel seines Wertes verloren. Welche Rendite bleibt also übrig, wenn man sie in Franken misst?
Dieser Beitrag erklärt, wie der Währungseffekt bei Obligationen und Aktien wirkt, warum er bei beiden unterschiedlich ins Gewicht fällt, was dich der Währungswechsel selbst kostet und woran du beim Anbieter und bei der Wahl eines Fonds erkennst, welches Währungsrisiko du tatsächlich trägst.

Im Inland: Franken rein, Franken raus
Solange du Schweizer Aktien und Obligationen in Franken kaufst, spielt der Wechselkurs für deine Abrechnung keine Rolle. Du kaufst in CHF, erhältst Dividenden und Zinsen in CHF und verkaufst wieder in CHF. Es fällt keine Wechselgebühr an, und die Rendite, die auf der Abrechnung steht, ist die Rendite, die bei dir ankommt.
Ganz frei von Währungseinflüssen ist aber auch der Schweizer Aktienmarkt nicht. Nestlé hat 2025 von CHF 89.5 Milliarden Umsatz rund CHF 1 Milliarde in der Schweiz erzielt, also gut 1 Prozent. Steigt der Franken, sind die Gewinne aus dem Ausland in Franken weniger wert, und das zeigt sich früher oder später im Aktienkurs. Dieser indirekte Effekt läuft im Hintergrund. Um den direkten Effekt geht es in diesem Beitrag: Er entsteht, sobald eine Anlage in einer anderen Währung als dem Franken abgerechnet wird.
Der Dollar gegenüber dem Franken seit 1971
Anfang 1971 kostete ein Dollar 4.31 Franken, der Kurs war damals im System von Bretton Woods noch weitgehend fix. Seit dem Übergang zu freien Wechselkursen ist der Dollar gegenüber dem Franken fast durchgehend schwächer geworden. Im August 2026 lag er im Monatsschnitt bei 0.81 Franken.
Rund 2 Prozent pro Jahr ist damit eine gute Faustregel für die Vergangenheit. Eine Gesetzmässigkeit ist es nicht. In knapp jeder fünften Zehnjahresperiode hat der Dollar gegenüber dem Franken zugelegt, am deutlichsten in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre, als er sich zwischen Januar 1980 und Januar 1985 von 1.60 auf 2.66 Franken verteuerte.
Warum der Dollar schwächer wird und was das mit den Zinsen zu tun hat
Die Abwertung ist kein Zufall. Sie hängt eng mit der Teuerung zusammen: Steigen die Preise in den USA schneller als in der Schweiz, verliert der Dollar an Kaufkraft, und auf lange Sicht passt sich der Wechselkurs an. Höhere Teuerung bedeutet ausserdem höhere Zinsen, weil Anlegerinnen und Anleger einen Ausgleich für die Geldentwertung verlangen. Legt man die drei Grössen für die letzten 20 Jahre nebeneinander, sehen sie sich erstaunlich ähnlich.
Daraus folgt die wichtigste Einsicht dieses Beitrags: Der höhere Zins in Dollar ist zu einem grossen Teil kein Zusatzertrag, sondern die Entschädigung für eine Währung, die an Wert verliert. Wer in Franken rechnet, bekommt den Zinsvorsprung im Durchschnitt über den Wechselkurs wieder abgezogen.
Obligationen: Der Coupon ist nicht das Problem, das Kapital schon
Eine Obligation ist ein Kredit an einen Staat oder ein Unternehmen. Du leihst einen Betrag für eine feste Laufzeit, erhältst dafür jedes Jahr einen festen Zins (den Coupon) und am Ende den Nominalbetrag zurück. Bei einer Obligation in Dollar geschieht beides in Dollar: Jeder Coupon muss gewechselt werden, und die Rückzahlung nach zehn Jahren auch.
Genau dort liegt das grössere Risiko. Der Coupon macht pro Jahr nur einige Prozent aus, die Rückzahlung dagegen 100 Prozent des eingesetzten Betrags, und sie wird erst am Ende zum dann gültigen Kurs gewechselt. Verliert der Dollar jedes Jahr 2 Prozent, ist er nach zehn Jahren 18.3 Prozent weniger wert. Das ist etwas weniger als 10 × 2 = 20 Prozent, weil der Verlust jedes Jahr auf einem bereits kleineren Betrag anfällt. Von CHF 10'000 kommen so am Ende noch CHF 8'171 zurück.
Was das für die Rendite heisst, zeigt ein Beispiel: CHF 10'000 in einer US-Obligation mit 4 Prozent Coupon und zehn Jahren Laufzeit, der Dollar verliert wie im Schnitt der Vergangenheit 2 Prozent pro Jahr, und der Anbieter verlangt beim Wechsel 1 Prozent.
Vom Coupon bleibt in Franken weniger als die Hälfte. Die Schweizer Teuerung ist dabei ein eigener Schritt, der mit der Währung nichts zu tun hat: Sie trifft eine Anlage in Franken genauso. Wer wissen will, was real, also an Kaufkraft, übrig bleibt, zieht sie am Schluss von der Rendite in Franken ab, nicht vom Coupon in Dollar. Die Teuerung in den USA spielt für dich als Anlegerin oder Anleger in Franken nur indirekt eine Rolle, eben über den Wechselkurs.
Ehrlicherweise zeigt das Beispiel auch: Mit 1.68 Prozent liegt die US-Obligation immer noch über der Bundesobligation. Das liegt am heute grossen Zinsabstand. Bei 4 Prozent Coupon dürfte der Dollar bis zu 3.5 Prozent pro Jahr verlieren, bevor die Bundesobligation besser abschneidet. Die Frage ist also weniger, ob sich die Dollarobligation rechnet, sondern ob der höhere Ertrag das zusätzliche Risiko wert ist. Der Wechselkurs schwankt, und über zehn Jahre reichte die Spanne in der Vergangenheit von +3.5 bis −8.4 Prozent pro Jahr. Eine Obligation kaufst du normalerweise, um Ruhe ins Depot zu bringen. Eine offene Dollarposition bringt das Gegenteil.
Viele Obligationenfonds gibt es in einer Tranche mit Währungsabsicherung, erkennbar am Zusatz "CHF hedged". Der Fonds sichert den Wechselkurs laufend über Termingeschäfte ab. Das kostet ungefähr die Differenz der kurzfristigen Zinsen, im August 2026 also rund 3.9 Prozent pro Jahr (3.8 Prozent in den USA gegenüber rund 0 Prozent in der Schweiz).
Zieht man diese Kosten vom Dollarzins ab, bleibt ungefähr das, was es auch in Franken gibt. Das ist kein Zufall, sondern der Markt, der den erwarteten Dollarverlust einpreist. Eine abgesicherte Tranche macht die Rendite nicht höher, aber berechenbarer.
Aktien: gleicher Abzug, kleinerer Anteil
Bei Aktien funktioniert der Währungseffekt gleich. US-Aktien haben seit 1900 im Durchschnitt 9.8 Prozent pro Jahr in Dollar gebracht (nominal, mit Dividenden). Verliert der Dollar 2 Prozent pro Jahr, bleiben in Franken 7.6 Prozent (1.098 × 0.98). Über lange Zeit summiert sich auch das.
Trotzdem fällt der Effekt bei Aktien weniger ins Gewicht als bei Obligationen. Der Abzug ist derselbe, er trifft aber einen viel grösseren Ertrag. Bei der Obligation frisst die Währung über die Hälfte der Rendite, bei der Aktie gut einen Fünftel.
| Anlage (Beispiel) | Rendite in USD | Rendite in CHF | Anteil, der wegfällt |
|---|---|---|---|
| US-Obligation, 4 % Coupon | 4.0 % | 1.9 % | 52 % |
| US-Aktien, 9.8 % pro Jahr | 9.8 % | 7.6 % | 22 % |
Dazu kommen zwei Unterschiede zur Obligation. Erstens wird bei Aktien nichts zu einem festen Betrag zurückbezahlt: Die Unternehmen verdienen ihr Geld weltweit, in vielen Währungen, und die Börsenwährung ist deshalb nur ein Teil der Geschichte (Nestlé zeigt das in umgekehrter Richtung). Zweitens lohnt sich die Absicherung bei Aktien selten. Sie kostet dieselben rund 3.9 Prozent pro Jahr wie bei Obligationen, und dem steht bei Aktien eine Schwankung gegenüber, die ohnehin viel grösser ist als die der Währung.
Die Wechselkosten: Gebühr und Spread
Zum Währungseffekt, den niemand beeinflussen kann, kommen die Kosten des Wechsels, die du sehr wohl beeinflussen kannst. Sie bestehen aus zwei Teilen, die in der Praxis oft zusammen in einem einzigen Kurs versteckt sind.
Wie hoch der Aufschlag ist, hängt stark vom Anbieter ab. Eine Auswertung von amnis kam im Juni 2026 bei Schweizer Banken auf 1 bis 2.19 Prozent, bei Beträgen bis CHF 50'000. Die Neobank Yuh verlangt 0.95 Prozent auf den Mittelkurs. Einzelne Broker liegen deutlich darunter. Die Zahl steht meist nicht auf der Handelsabrechnung, sondern in der Preisliste unter Stichworten wie "Devisenmarge", "Wechselkursaufschlag" oder "Fremdwährungsgebühr".
Bei einer einmaligen Anlage fallen 1 Prozent hin und zurück kaum auf. Anders sieht es bei einem Sparplan aus, bei dem jeden Monat gewechselt wird.
Rund CHF 13'100 für einen Posten, der auf keiner Abrechnung als Gebühr auftaucht. Das ist nicht dramatisch im Verhältnis zum Endvermögen, aber es ist Geld, das du mit der Wahl des Anbieters behalten kannst.
Fondswährung, Handelswährung, Währungsrisiko: drei verschiedene Dinge
Oft heisst es, der Dollar lasse sich bei grossen, breit gestreuten Aktienfonds nicht vermeiden, weil sie in Dollar geführt werden. Das stimmt nur halb, und die Unterscheidung lohnt sich, weil sie zeigt, wo du ansetzen kannst.
Ein Beispiel: Ein ETF auf den MSCI World, den du an der SIX in Franken kaufst, kostet dich keine Wechselgebühr. Trotzdem steckst du damit zum grössten Teil in US-Aktien, denn die USA machen heute 62 Prozent des weltweiten Börsenwerts aus. Steigt der Franken gegenüber dem Dollar, sinkt der Wert deines Fonds in Franken, ganz gleich, in welcher Währung du ihn gekauft hast. Umgekehrt gilt: Wer denselben ETF in Dollar kauft, trägt kein grösseres Währungsrisiko, bezahlt aber zweimal die Wechselgebühr.
Home Bias: weniger Währung, weniger Streuung
Wer das Währungsrisiko nicht eingehen möchte, kann mehr in der Schweiz anlegen. Viele Schweizer Anlegerinnen und Anleger tun das, und auch die Pensionskassen. Diese Vorliebe für den Heimmarkt heisst Home Bias. Die Pensionskassen hielten 2023 laut dem Beratungsunternehmen WTW 30.2 Prozent ihres Vermögens in Aktien, davon 9.8 Prozentpunkte in Schweizer Aktien. Rund ein Drittel ihrer Aktien sind also Schweizer Titel. Am weltweiten Aktienmarkt macht die Schweiz 2.5 Prozent aus.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist ein Home Bias nicht zu empfehlen, und diesen Ansatz verfolgen wir auch in unserer Beratung. Wer einen Drittel seiner Aktien in Schweizer Titeln hält, gewichtet die Schweiz mehr als zehnmal so stark wie der Weltmarkt und verzichtet auf einen grossen Teil der Streuung. Dazu kommt die Konzentration im Heimmarkt selbst: Nestlé, Novartis und Roche machen zusammen rund die Hälfte des SMI aus, obwohl kein Titel mehr als 18 Prozent wiegen darf. Ein grosser Teil des Depots hängt dann an wenigen Unternehmen und an zwei Branchen, Pharma und Nahrungsmittel.
Das Risiko ist eine tiefere Rendite. Läuft der Gesamtmarkt besser als die Schweiz, bleibt ein Depot mit Übergewicht Schweiz zurück, und für das zusätzliche Klumpenrisiko gibt es keine höhere erwartete Rendite als Ausgleich.
Ein Home Bias ist deshalb etwas für Personen, die das Währungsrisiko nicht eingehen möchten oder denen die Schwankungen des Dollars Sorgen machen. Schweizer Aktien haben kein direktes Währungsrisiko, und es fallen keine Wechselgebühren an. Wer diesen Weg wählt, sollte aber wissen, dass er dafür Streuung und möglicherweise Rendite aufgibt. Ganz frei von Wechselkursen ist auch er nicht: Weil Nestlé und die Pharmakonzerne fast ihren ganzen Umsatz im Ausland erzielen, wirkt der Franken über ihre Gewinne trotzdem mit.
Worauf du achten kannst
Fazit
Eine Rendite in Fremdwährung ist erst die halbe Information. Der Dollar hat gegenüber dem Franken über Jahrzehnte rund 2 Prozent pro Jahr verloren, ungefähr so viel, wie die Zinsen in den USA höher waren. Bei Obligationen verschwindet damit ein grosser Teil des Zinsvorsprungs, bei Aktien ein kleinerer Teil einer höheren Rendite. Den Wechselkurs kann niemand steuern. Die Wechselkosten, die Handelswährung und die Frage, ob eine Obligation abgesichert ist, schon. Wer das Währungsrisiko über einen hohen Schweiz-Anteil umgeht, bezahlt dafür mit weniger Streuung.
Ich finde, der Blick auf die Währung gehört vor jede Anlageentscheidung, gerade weil hohe Zahlen in Dollar so überzeugend aussehen. Besonders bei Obligationen, die im Depot eigentlich für Stabilität sorgen sollen, lohnt es sich, die Rendite einmal in Franken nachzurechnen.
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Strategiegespräch buchenHäufige Fragen zum Währungseffekt
Wie viel hat der US-Dollar gegenüber dem Franken an Wert verloren?
Von Januar 1971 bis August 2026 fiel der Dollar von 4.31 auf 0.81 Franken, das sind rund 2.9 Prozent pro Jahr. Seit 2006 waren es rund 2.1 Prozent pro Jahr. In etwa einer von fünf Zehnjahresperioden hat der Dollar gegenüber dem Franken aber auch zugelegt.
Lohnt sich eine Obligation in US-Dollar für Anlegerinnen und Anleger in Franken?
Der höhere Dollarzins ist zu einem grossen Teil eine Entschädigung für den erwarteten Wertverlust des Dollars. In unserem Beispiel bleiben von 4 Prozent Coupon nach 2 Prozent Dollarverlust und 1 Prozent Wechselgebühr noch 1.68 Prozent pro Jahr in Franken. Dafür trägt man ein Wechselkursrisiko, das über zehn Jahre in beide Richtungen mehrere Prozent pro Jahr ausmachen kann.
Was kostet eine Währungsabsicherung?
Eine Absicherung kostet ungefähr die Differenz der kurzfristigen Zinsen der beiden Währungen. Im August 2026 waren das zwischen Dollar und Franken rund 3.9 Prozent pro Jahr. Bei Obligationen ist eine abgesicherte CHF-Tranche oft sinnvoll, bei Aktien lohnt sie sich selten.
Habe ich kein Währungsrisiko, wenn ich einen ETF in Franken kaufe?
Doch. Die Handelswährung bestimmt nur, ob du beim Kauf wechseln musst und die Wechselgebühr zahlst. Das Währungsrisiko hängt von den Anlagen im Fonds ab. Ein Welt-Aktienfonds, den du in Franken kaufst, ist trotzdem zum grössten Teil in Dollar investiert. Nur eine ausdrücklich abgesicherte Tranche ("hedged") schaltet das Währungsrisiko weitgehend aus.
Quellen
- Board of Governors of the Federal Reserve System, über FRED: Swiss Francs to U.S. Dollar Spot Exchange Rate (EXSZUS), Monatswerte 1971 bis 2026
- U.S. Bureau of Labor Statistics, über FRED: Consumer Price Index for All Urban Consumers (CPIAUCSL)
- OECD, über FRED: Consumer Price Index, All Items for Switzerland (CHECPIALLMINMEI)
- OECD, über FRED: Long-Term Government Bond Yields, 10-Year, USA (IRLTLT01USM156N) und Schweiz (IRLTLT01CHM156N)
- OECD, über FRED: 3-Month Interbank Rates, USA (IR3TIB01USM156N) und Schweiz (IR3TIB01CHM156N)
- UBS: Global Investment Returns Yearbook 2026 (Dimson, Marsh, Staunton)
- Nestlé in der Schweiz: Kennzahlen 2025
- amnis: Devisenkurse Schweizer Banken im Vergleich, Juni 2026
- Yuh: Preise und Gebühren
- cash.ch: Home Bias, warum die Liebe der Schweizer zum heimischen Aktienmarkt berechtigt ist (Zahlen von WTW)
- SRF: Zusammensetzung des SMI, 21.09.2026
- justETF: Währungsrisiko von ETFs richtig erfassen