ETF in der Schweiz: Wie du mit wenig Kosten investierst
Stand Mai 2026 · Von Lukas Bachmann & Alessandrina Gull, innoVorsorge AG
Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Indexfonds. Er bildet einen Index nach — den SPI, den MSCI World, den S&P 500 — und kauft automatisch alle Aktien, die im Index enthalten sind. Statt einzelne Firmen auszuwählen, investierst du mit einem einzigen Kauf in Hunderte oder Tausende Unternehmen gleichzeitig. ETFs werden wie Aktien an der Börse gehandelt: du kannst sie jederzeit kaufen und verkaufen, zu aktuellen Marktpreisen.
Das Konzept ist simpel. Die Auswirkungen auf dein Vermögen sind es nicht. Der Unterschied zwischen einem ETF mit 0.2% jährlichen Kosten und einem aktiv verwalteten Fonds mit 1.2% Kosten beträgt auf 32 Jahre gerechnet über CHF 166'000 — bei gleichem Startkapital, gleicher Rendite. Dieser Beitrag zeigt dir, warum das so ist, wie Steuern in der Schweiz funktionieren, welcher Broker sich lohnt und wie du ETFs auch in der Säule 3a nutzt.
Warum ETFs (fast) immer gewinnen
Aktiv verwaltete Fonds haben ein strukturelles Problem: ihre Kosten. Ein durchschnittlicher aktiver Fonds in der Schweiz verlangt eine TER (Total Expense Ratio) von rund 1.2%. Manche liegen bei 1.5%, günstige bei 1.0%. Dazu kommt häufig ein Ausgabeaufschlag von 1–5% beim Kauf — Geld, das sofort von deiner Anlagesumme abgezogen wird.
ETFs kosten dagegen zwischen 0.06% und 0.20% TER. Der Durchschnitt liegt bei rund 0.30%. Ausgabeaufschläge gibt es keine.
Das wäre kein Problem, wenn aktive Fondsmanager ihre höheren Kosten durch bessere Rendite rechtfertigen könnten. Können sie aber nicht. Morningstar hat im Februar 2026 die Langzeitperformance aktiver Fonds ausgewertet: Weniger als 4% aller aktiv verwalteten Fonds schlagen ihren Vergleichsindex nach Kosten über einen Zeitraum von 10 Jahren.
96 von 100 aktiven Fonds verlieren gegen den Index. Und du weisst vorher nicht, welche vier gewinnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass du den richtigen Fonds wählst, ist statistisch schlechter als ein Münzwurf.
Warum? Fondsmanager handeln öfter, zahlen Transaktionskosten, haben Research-Teams und Boni — all das muss verdient werden, bevor du als Anleger profitierst. ETFs dagegen kaufen einfach den ganzen Index und halten ihn. Kein Research, kein aktives Trading, keine teuren Gehälter. Deshalb die tiefen Kosten.
Was Kosten über 30 Jahre anrichten
Der Zinseszinseffekt arbeitet in beide Richtungen. Er lässt dein Vermögen exponentiell wachsen — aber auch die Kosten fressen exponentiell. Hier die Rechnung mit CHF 100'000 Startkapital und 7% Bruttorendite pro Jahr:
Lies das nochmal: Ein Prozentpunkt Unterschied in den jährlichen Kosten kostet dich über CHF 166'000 auf 32 Jahre. Kein Fondsmanager der Welt muss dir das zurückzahlen. Du merkst es nicht, weil es jeden Tag nur ein paar Franken sind. Aber der Zinseszins auf diese Differenz läuft gegen dich — still, stetig, unumkehrbar.
Und dabei ist der Ausgabeaufschlag noch nicht eingerechnet. Wer CHF 100'000 in einen Fonds mit 3% Aufschlag investiert, startet mit CHF 97'000 statt CHF 100'000. Dieses fehlende Startkapital fehlt über die gesamte Laufzeit.
Steuern auf ETFs in der Schweiz
Steuern sind bei ETFs in der Schweiz weniger dramatisch als oft dargestellt, aber es gibt ein paar Besonderheiten, die sich lohnen zu verstehen.
Stempelsteuer (Umsatzabgabe)
Bei jedem Kauf und Verkauf fällt die eidgenössische Stempelsteuer an. Die Höhe hängt davon ab, wo der ETF domiziliert ist:
- Schweizer ETFs: 0.075% pro Transaktion
- Ausländische ETFs: 0.15% pro Transaktion
Wer bei einem ausländischen Broker wie Interactive Brokers oder DEGIRO handelt, zahlt keine Stempelsteuer — diese fällt nur an, wenn ein Schweizer Effektenhändler involviert ist.
Verrechnungssteuer (35%)
Auf Dividenden von Schweizer ETFs zieht die ESTV 35% Verrechnungssteuer ab. Die kannst du über die Steuererklärung vollständig zurückfordern — vorausgesetzt, du deklarierst alles korrekt. Bei ausländischen ETFs fällt keine Schweizer Verrechnungssteuer an.
US-Quellensteuer und das Domizil-Thema
Hier wird es relevant: US-Aktien schütten Dividenden aus. Die USA erheben darauf 30% Quellensteuer. Dank Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) wird das auf 15% reduziert — aber nur, wenn der ETF in einem Land mit gutem DBA-Vertrag domiziliert ist.
Irland hat einen der besten DBA-Verträge mit den USA: nur 15% Quellensteuer auf Dividenden statt 30%. Deshalb sind die meisten grossen globalen ETFs in Irland domiziliert (erkennbar am ISIN-Präfix IE).
Schweizer Aktien: CH-domizilierte ETFs kaufen (tiefere Stempelsteuer, Verrechnungssteuer rückforderbar).
Globale Aktien (MSCI World, ACWI): Irland-domizilierte ETFs kaufen (bessere Quellensteuer-Behandlung auf US-Dividenden).
Wo du ETFs kaufst: Broker-Vergleich
Der Broker bestimmt, wie viel du pro Trade zahlst, ob Depotgebühren anfallen und ob die Stempelsteuer erhoben wird. Die Unterschiede sind gross — vor allem zwischen Schweizer Banken und internationalen Plattformen.
| Broker | Transaktionskosten | Depotgebühren | Stempelsteuer |
|---|---|---|---|
| Interactive Brokers | ab CHF 1.25 | CHF 0 | Keine |
| Saxo Bank | 0.08%, min. CHF 3 | CHF 0 | 0.15% |
| Swissquote | CHF 3–90 | CHF 80–200/Jahr | 0.15% |
| Yuh | 0.5%, min. CHF 1 | CHF 0 | Ja |
| neon | 0.5%, min. CHF 1 | CHF 0 | Ja |
Interactive Brokers ist der klare Kostensieger: tiefste Transaktionskosten, keine Depotgebühren, keine Stempelsteuer. Der Nachteil: die Plattform ist funktional, aber nicht hübsch. Wer eine einfache App will, für den sind Yuh oder neon besser geeignet — mit dem Preis von 0.5% pro Trade, was bei grösseren Beträgen spürbar wird.
Swissquote ist der Schweizer Platzhirsch und bietet alles unter einem Dach: Aktien, ETFs, Krypto, Säule 3a. Die Kosten sind höher, dafür bekommst du Schweizer Einlagensicherung und eine FINMA-regulierte Bank. Für Buy-and-Hold-Anleger, die wenige Trades pro Jahr machen, fällt das weniger ins Gewicht.
Saxo Bank liegt kostentechnisch zwischen IB und Swissquote — gute Plattform, keine Depotgebühren, aber die Stempelsteuer fällt an.
Säule 3a mit Indexfonds
Ein verbreiteter Irrtum: In der Säule 3a investierst du nicht in ETFs, sondern in Indexfonds. Technisch ähnlich — beide bilden einen Index nach — aber steuerlich ein relevanter Unterschied: Indexfonds innerhalb der 3a-Hülle zahlen keine Verrechnungssteuer auf Dividenden. Das spart je nach Aktienquote 0.1–0.3% pro Jahr gegenüber ETFs.
Die drei günstigsten Anbieter im Vergleich:
| Anbieter | Totalkosten (TER) | Max. Aktienquote |
|---|---|---|
| finpension | 0.39–0.42% | 99% |
| VIAC | 0.00–0.44% | 99% |
| frankly (ZKB) | 0.44–0.48% | 95% |
Alle drei liegen Welten unter den klassischen Bank-3a-Lösungen, die oft 0.8–1.5% kosten und die Aktienquote auf 50% beschränken. Bei VIAC zahlst du im günstigsten Fall 0.00% TER auf den Obligationenanteil — die Kosten steigen erst mit dem Aktienanteil.
finpension bietet den höchsten Individualisierungsgrad: du kannst einzelne Indexfonds wählen und die Gewichtung anpassen. VIAC hat die grösste Nutzerbasis und eine solide App. frankly ist die Lösung der Zürcher Kantonalbank — wer ohnehin ZKB-Kunde ist, hat alles an einem Ort.
3a-Tipp: Der Maximalbetrag für Angestellte liegt 2026 bei CHF 7'258 pro Jahr. Wer mehrere 3a-Konten bei verschiedenen Anbietern führt (max. 5 sind sinnvoll), kann diese gestaffelt beziehen und spart so Steuern beim Bezug im Alter.
Beliebte ETFs für Schweizer Anleger
Für das freie Vermögen (ausserhalb der 3a) sind diese ETFs bei Schweizer Anlegern verbreitet:
- Global: SPDR MSCI ACWI IMI (TER 0.12%) — über 9'000 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern in einem Produkt
- Global: Vanguard FTSE All-World (TER 0.19%) — ähnlich breit, etwas teurer, aber mit Ausschüttung
- Schweiz: iShares Core SPI (TER 0.10%) — bildet den gesamten Schweizer Markt ab, inklusive Small Caps
- Schweiz: UBS ETF SPI (TER 0.09%) — die günstigste Option für den SPI
- Schwellenländer: iShares Core MSCI EM IMI (TER 0.18%) — breite Abdeckung inklusive Small Caps
Ein simples Zwei-ETF-Portfolio — 80% Vanguard FTSE All-World und 20% iShares Core SPI — deckt die Welt und die Schweiz ab und kostet dich rund 0.17% TER im Schnitt. Fertig. Kein Rebalancing-Stress, kein Fondsmanager, keine versteckten Gebühren.
Fazit
ETFs sind kein Geheimtipp mehr. Sie sind die logische Konsequenz aus Jahrzehnten an Daten: Passiv investieren schlägt aktiv in über 96% der Fälle. Die Kosten sind der stärkste Hebel, den du als Anleger hast — und der einzige, den du vollständig kontrollierst.
Für Schweizer Anleger heisst das konkret: Irland-domizilierte ETFs für globale Aktien, CH-domizilierte für den Schweizer Markt. Broker mit tiefen Gebühren wählen — Interactive Brokers für Kostenoptimierer, Swissquote für Bequemlichkeit. Säule 3a bei finpension oder VIAC statt bei der Hausbank. Und dann: kaufen, halten, nachkaufen. Die Zeit erledigt den Rest.
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Häufige Fragen zu ETFs in der Schweiz
Was ist ein ETF?
Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen bestimmten Index wie den SPI oder MSCI World nachbildet. Du kaufst mit einem einzigen Produkt Anteile an Hunderten oder Tausenden von Unternehmen und kannst ETFs wie Aktien jederzeit an der Börse handeln.
Wie viel kostet ein ETF in der Schweiz?
Die laufenden Kosten (TER) von ETFs liegen zwischen 0.06% und 0.20%, im Schnitt bei rund 0.30%. Dazu kommen Transaktionskosten beim Broker (ab CHF 1.25 bei Interactive Brokers) und allenfalls die Stempelsteuer von 0.075% (Schweizer ETFs) bzw. 0.15% (ausländische ETFs).
Welcher Broker ist am günstigsten?
Interactive Brokers ist der günstigste Broker mit Transaktionskosten ab CHF 1.25, keinen Depotgebühren und keiner Stempelsteuer. Saxo Bank bietet 0.08% (min. CHF 3) mit kostenlosen Depots. Swissquote kostet CHF 3–90 pro Trade plus CHF 80–200 Depotgebühr pro Jahr.
Soll ich Schweizer oder irische ETFs kaufen?
Für Schweizer Aktien: CH-domizilierte ETFs (tiefere Stempelsteuer, Verrechnungssteuer vollständig rückforderbar). Für globale Aktien: Irland-domizilierte ETFs, weil Irland ein besseres Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA hat und die US-Quellensteuer auf 15% statt 30% reduziert wird.
Kann ich in der Säule 3a in ETFs investieren?
Ja, aber technisch nutzt die Säule 3a Indexfonds statt ETFs, weil diese steuerlich besser behandelt werden (keine Verrechnungssteuer auf Dividenden). Die günstigsten Anbieter sind finpension (0.39–0.42%), VIAC (0.00–0.44%) und frankly von der ZKB (0.44–0.48%), alle mit bis zu 99% Aktienquote.